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AktuellesAnna Katharina Emmerick (1774-1824) machte als stigmatisierte "Nonne von Dülmen" die Stadt über die westfälischen und deutschen Grenzen hinaus bekannt. Die Mystikerin des Münsterlandes entstammte einer kinderreichen Kötterfamilie in Coesfeld-Flamschen. Nachdem sie als Magd und Näherin gearbeitet hatte, trat sie mit 28 Jahren in das Augustinerinnenkloster Agnetenberg in Dülmen ein. 1812 verließ sie als letzte das unter französischer Herrschaft aufgehobene Kloster. In den folgenden zwölf Jahren lebte sie unter erbärmlichen Verhältnissen als Jungfer Emmerick in Dülmen, wobei sie sich weiter an ihr Ordensgelübde hielt. 1813 wurde bekannt, dass die ehemalige Nonne die Wundmale Jesu an ihrem Leib trage, fast ganz auf Nahrung verzichte und oft merkwürdige Visionen habe. Daraufhin fanden sich namhafte Persönlichkeiten ihrer Zeit - Theologen, Dichter sowie der preußische König Friedrich-Wilhelm III. - in Dülmen ein.
Sie wollten sich persönlich ein Urteil über die Erscheinung der Wundmale bilden. Der Romantiker Clemens Brentano verbrachte fünf Jahre in der Stadt und überlieferte der Nachwelt die Visionen der Emmerick vom Leben und Sterben Christi. Das Grab der am 9. Februar 1824 gestorbenen Mystikerin befindet sich heute in der Krypta der Heilig-Kreuz-Kirche. Ein schon früher eingeleiteter Prozess fand im Oktober 2004 mit der Seligsprechung der Anna Katharina Emmerick in Rom seinen Abschluss. Emmerickverehrer in aller Welt halten untereinander Kontakt durch den Emmerickbund.
Sowohl in Dülmen wie in Süddeutschland und dem Ausland gab es verschiedene Formen der Verehrung Anna Katharinas. Von 1878-1935 machte z.B. die alljährliche Prozession aus Essen zum Annaberg in Haltern einen Abstecher zum Emmerick-Grab. Der 1921 gegründete Emmerick-Bund sah seine Hauptaufgabe darin, den laufenden Seligsprechungsprozess durch eine Förderung ihrer Privatverehrung zu unterstützen.
Vielfältig sind die Zeugnisse für ihre Verehrung zwischen 1890 und 1945. Sei es, dass sich bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs Gruppen zum Gebet an ihrem Grab versammelten, sei es, dass Dülmener bei den Bombardements des Zweiten Weltkriegs auf ihre Visionen vertrauten, die Stadt werde verschont bleiben.
Einen guten Gradmesser für die Popularität Anna Katharinas bilden Lexika-Artikel. Der Brockhaus von 1895 widmet ihr 34 Zeilen, Meyers-Lexikon von 1925 noch 11 Zeilen, während die Brockhaus-Ausgabe von 1988 keinen Eintrag mehr enthält. Selbst Sigmund Freud kannte 1912 das fromme deutsche Mädchen, Anna Katharina Emmerich in Dülmen, wie sich aus ihrer Erwähnung in einem Aufsatz über das Diana-Heiligtum in Ephesos ergibt.
In der NS-Zeit riss in Dülmen zumindest das offizielle Bekenntnis zu Anna Katharina ab. Warb die Stadt 1931 noch in einem Prospekt auf einer Seite für “Dülmen, die Emmerichstadt”, so enthielt die Neuausgabe von 1939 keinen Hinweis mehr darauf.
Einen Neuanfang, Anna Katharina einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen, unternahm der Augustinerorden ab 1954/56 in der neuen Niederlassung an der Pfarrkirche Maria Königin. Dort wurde auch 1956 eine modernisierte Gedächtnisstätte aus dem Bestand des Emmerick-Hauses eingerichtet.
Nachhaltig wirkte sich die von Bischof Tenhumberg seit 1973 betriebene Wiederaufnahme des Seligsprechungsprozesses aus. Der 1977 neu gegründete Emmerick-Bund gibt seit 1979 die “Emmerickblätter“ mit dem Ziel heraus, Anna Katharinas Sühneleiden möglichst vielen Christen bekanntzumachen.
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