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1955 trat die noch junge Bundesrepublik Deutschland dem westlichen Verteidigungsbündnis der Nato bei und begann – mit gewissen Rüstungsbeschränkungen – wieder mit der Aufstellung eigener Streitkräfte. Nach dem verlorenen 2. Weltkrieg musste eine neue militärische Infrastruktur aufgebaut werden. So entstanden in vielen kleinen und mittelgroßen Städten neue Kasernenstandorte. Auch die Stadt Dülmen gehört seit 1966 zu diesen neuen Bundeswehrstandorten. In diesem Jahr wurden der Stab und die Stabsbatterie des 1960 in Ahlen aufgestellten Artillerieregiments 7 in die damals neu errichtete St. Barbara-Kaserne in Dülmen verlegt. Benannt wurde die Kaserne nach der Schutzpatronin der hier stationierten Arilleristen. Am 23. Juni 1967 übergab der damalige Bundesverteidigungsminister Dr. Gerhard Schröder die St. Barbara-Kaserne in Dülmen offiziell ihrer Bestimmung. Die Kasernengebäude waren zwischen 1963 und 1966 im Dernekamp errichtet worden. Auf einer Fläche von ca. 49 Hektar entstanden fast 30 Gebäude allein für die Unterbringung und Versorgung der Soldaten. Die Kosten für dies Unternehmen, an dem 225 Firmen beteiligt waren, betrugen rund 60 Millionen DM. Die Anlage war also in mehrfacher Hinsicht ein Großprojekt. Plötzlich Garnisonsstadt zu sein bedeutete für Dülmen, dass sich damals etwa 2000 Soldaten als neuer Faktor städtischen Lebens bemerkbar machten. Zeit- und Berufssoldaten mit Angehörigen, vielleicht um 800 Personen, brauchten Wohnungen. Mit erheblichen Zuschüssen der Bundeswehrverwaltung wurden bis 1980 mehr als 350 Wohnungen für Bundeswehrangehörige gebaut. Die Kaufkraft der Soldaten und ihrer Familien bedeuteten eine zusätzliche Einnahmequelle für die Geschäfte. Außerdem wurde die Bundeswehr über die Standortverwaltung zum Wirtschaftsfaktor für die Stadt. Die Standortverwaltung vergab Versorgungs- und Reparaturaufträge an Dülmener Unternehmen und war mit etwa 650 Beschäftigten ein wichtiger Arbeitgeber in Dülmen. Insgesamt machten die zentrale Lage und vor allem die gute Verkehrsanbindung Dülmen zu einem beliebten heimatnahen Standort für wehrpflichtige und freiwillige Soldaten. Die Bundeswehr hat die Stadt Dülmen seit den sechziger Jahren mitgeprägt. Durch zahlreiche Gelöbnisfeiern, wechselseitige Einladungen und Truppenbesuche waren die Soldaten fest in das gesellschaftliche Leben der Stadt integriert. 1971 wurde das neue St. Barbara-Haus gebaut. Mit dieser Einrichtung, als Stätte der Begegnung von Soldaten und anderen Bürgern gedacht, erhielt Dülmen als weitere Neuerung in Folge der Truppenstationierung ein Haus mit einer interessanten Einrichtung für verschiedenste Veranstaltungen. Zur guten Sitte entwickelten sich die Neujahrsempfänge in der Kaserne. 1967 lud das Artillerieregiment erstmals Personen des öffentlichen Lebens dazu ein. Gern wurde auch der Tag der Offenen Tür von Dülmener Bürgern besucht. Vor dem Hintergrund der Aufrüstung der NATO-Streitkräfte und des Warschauer Paktes im Kalten Krieg erreichte der Bundeswehrstandort Dülmen in den 80-er Jahren seine größte Truppenstärke. Mit der historischen Wende von 1989 veränderte sich die Situation. Gemäß den Bestimmungen des "Zwei-Plus-Vier"-Vertrages musste die Bundeswehr auf 370.000 Soldaten reduziert werden. Dülmen war allerdings von der darauf folgenden allmählichen Reduzierung der Streitkräfte weniger betroffen als andere Orte. Als die Vereinten Nationen sich zur gemeinsamen Friedenssicherung auf dem Balkan entschlossen, nahmen auch Dülmener Soldaten an dieser – für die Bundeswehr noch ungewohnten – Aufgabe teil. Am 2. Januar 2001 erregte der Standort Dülmen die Aufmerksamkeit internationaler Medien, als die ersten 19 weiblichen Rekruten in die Barbara-Kaserne einrückten. Selbst in Amerika berichteten private Fernsehsender darüber. Dülmen war damit neben Augustdorf der einzige Standort in NRW mit Rekrutinnen in der Grundausbildung. Doch bereits im Februar 2001 wurde die Stadt von der Nachricht überrascht, dass die St. Barbara-Kaserne aufgegeben werden sollte. Zwar waren bereits gegen Ende der neunziger Jahre aufgrund der neuen Anforderungen bei Auslandseinsätzen sowie der öffentlichen Finanzlage weitere Umstrukturierungen bei der Bundeswehr zu erwarten. Nach dem Regierungswechsel 1988 sah die Planung des Verteidigungsministeriums eine Reduzierung der Streitkräfte auf 285.000 aktive Soldaten vor. Dülmen war allerdings nicht davon ausgegangen, von diesen Plänen betroffen zu sein. Schließlich war die St. Barbara-Kaserne kurz zuvor für ca. 18 Millionen DM renoviert worden. Auch die günstige Lage der Stadt sowie das gute Verhältnis zwischen Bürgern und Soldaten schienen dagegen zu sprechen. Bürgermeister und Rat sowie zahlreiche Bürgerinnen und Bürger bekundeten öffentlich ihre Solidarität mit den betroffenen Familien und demonstrierten für den Erhalt der Bundeswehr – ohne Erfolg. Zum Frühjahr 2003 haben die letzten Soldaten die Dülmener Kaserne verlassen. Die Stadt Dülmen kann diesen Umstand nur bedauern. Die St. Barbara-Kaserne und die hier stationierten Soldaten waren fester Bestandteil des städtischen Lebens. Soldaten und Bevölkerung haben in all den Jahren ein gutes Verhältnis gepflegt. Zahlreiche hier stationierte Soldaten haben sich bewusst für Dülmen entschieden und sind dauerhaft Bürgerinnen und Bürger der Stadt geworden.
Amerikanische und britische Soldaten in DülmenIn den 60er und 70er Jahren wuchs Dülmens Bedeutung als Militärstandort durch die Errichtung weiterer militärischer Einrichtungen. Auf dem Gelände des ehemaligen Tanklagers der Luftwaffe im Osthoff wurde ein britisches Feldzeugdepot errichtet. Mit dem Forward Ordnance Depot erhielt Dülmen die größte kontinentale Nachschubeinrichtung der Briten. Für 200 britische Soldaten und ihre Angehörigen entstanden bis 1971 neue Blocks und Häuser mit 66 Wohnungen in der Nähe des Ostdamms.Für das britische Viertel wurden Kindergarten, Schule, Einkaufszentrum und anderes erstellt. Die Briten luden seit 1976 mehrfach das breite Schützenfestpublikum in Dülmen zu Kaiserschießen auf dem Osthoffgelände ein. Als Höhepunkt der städtischen Bemühungen um die Einbeziehung der Briten empfanden viele 1983 die Verleihung der Ehrenstadtrechte an die NATO-Partner. |