Kirchspiel Dülmen
Der Ortsteil Kirchspiel Dülmen umgibt den Ortsteil Mitte, den alten städtischen Bereich, der 1311 rechtlich vom Umland geschieden wurde. Das Kirchspiel ist geprägt von Einzelhöfen, in denen heute rund 4.500 Einwohner leben. Früher organisierten sich die Höfe in den Bauerschaften Welte, Empte, Weddern, Rödder, Börnste, Leuste, Mitwick, Daldrup und Dernekamp, deren älteste Siedlungen – die Schulzenhöfe – teilweise bis in die Zeit der Christianisierung zurückreichen.
Der Bischof von Münster stiftete im 9. Jahrhundert an seinem Haupthof in Dülmen eine Kirche unter dem Patronat des Heiligen Viktor. Zu deren Sprengel gehörten die Höfe auf dem früh besiedelten Höhenrücken. Die Kultivierungsmaßnahmen des Hoch- und Spätmittelalters sorgten für ein Bevölkerungswachstum und eine Zunahme der Hofstellen. Parallel entstanden Adelssitze wie die Häuser Empte, Visbeck, Osthof, Engsterstein, Ueding und Weddern. Letzteren verwendete Gerhard von Keppel 1476 zur Stiftung eines Kartäuserklosters, des einzigen in Westfalen, von dem seit seiner Aufhebung 1803 nur mehr die Kirche und einige Wirtschaftsgebäude zeugen.
Die Willkommschatzung von 1498, eine Steuer aus Anlass der Einführung Konrads von Rietberg als Bischof von Münster, nennt 214 Hofstätten für den Bereich außerhalb der Stadtmauern. Das Umfeld des 1311 zur Stadt erhobenen Pfarrortes Dülmen sicherte seit dem 14. Jahrhundert eine Landwehr, innerhalb deren Verlauf alte Höfe aufgegeben wurden. Die Bauerschaften schützten ebenfalls Landwehren, mit Dornenhecken bewachsene Wall- und Grabenbefestigungen, deren Bau der Bischof befohlen hatte.
Neue Siedelstätten, deren Inhaber ihren Lebensunterhalt häufig als Tagelöhner oder Handwerker verdienten, entstanden bei bestehenden Höfen und am Rande der Heideflächen, die die Bauerschaften umgaben. Erst die Gemeinheitsteilung von 1844, die Aufteilung und das individuelle Besitzrecht an zuvor gemeinsam genutzten Heideflächen, sorgte für die Schaffung der heute noch bestehenden Kulturlandschaft.
Ungeachtet der rechtlichen Scheidung zwischen Stadt- und Landbewohnern, Bürger und Bauer, besuchten alle Bewohner die bis 1938 einzige Pfarrkirche St. Viktor, bevor mit dem Bau neuer Kirchen neue Pfarrbezirke entstanden.
Mit dem Beginn der Preußenzeit (1815) bildeten die Bauerschaften des Kirchspiels Dülmen eine eigene Gemeinde, die mit Merfeld zum Amt Dülmen zusammengefasst war. Siedlungsbauten entstanden im Kirchspiel Dülmen lediglich in der Bauerschaft Dernekamp und erst nach dem Zweiten Weltkrieg am östlichen Rand des Stadtgebietes