Dülmener Badeleben im Rückblick

 

Heute

Dülmens über hundertjähriges Badeleben spiegelt einen Teil der allgemeinen Geschichte des Badewesens in Deutschland  wider. Die sich aus den mittelalterlichen Badestuben entwickelnden Reinigungs- und Gesundheitsbäder finden ihre moderne Entsprechung in den Wannen- und Brausebädern um die Wende zum 20. Jahrhundert. Die Entwicklung der Badekultur hat bis heute zu den Spaß- und Freizeitbädern geführt. Sie vereinbaren Sport-, Erlebnis- und Gesundheitsaspekte und stellen, wie einst die Badehäuser des Mittelalters, Zentren des öffentlichen Lebens dar. Im Gegensatz aber zu jenen bieten sie sowohl Gelegenheit  zum Baden als auch zum Schwimmen.

 

Haupteingang des düb

 

 

Blick auf das Strandbad in Hausdülmen 

(Motiv aus den 1950er Jahren)

Die Geschichte des öffentlichen Badewesens in Dülmen beginnt 1895 und endet vorläufig 2002 mit der Eröffnung des Wellness-Vital-Bereichs des düb. Das Phänomen des Freizeitbades taucht in Deutschland zum ersten Mal Ende der 70er Jahre auf und entwickelte sich in drei Ausprägungen als Spaß-, Erlebnis- und Freizeitbad. Das reine Sportbad mit seinem nüchternen funktionalen Charakter war aus der Mode gekommen. In Dülmen sind das alte Hallenbad am Hüttendyk und das Freibad vor dem Umbau Beispiele für diese Bädervariante, die nach der Wiederaufbauphase Ende der 50er Jahre geplant und in den 60er bzw. 70er Jahren realisiert wurden.

 

 

 

1895

Dülmener Unternehmer errichteten und betrieben seit 1895 gemäß der herrschenden Reinlichkeitsideologie eine Wasch- und Badeanstalt auf einem gepachteten Grundstück des Herzogs von Croÿ zwischen Münsterstraße und Ostdamm. Die Bewohner kamen so bei erschwinglichen Preisen in den Genuss von warmen, behaglichen Wannenbädern sowie eines geräumigen Freiluftschwimmbeckens, das aus dem Tiberbach gespeist wurde. Volksbäder wie in Dülmen mussten für die verschiedenen Badeformen mit niedrigen Eintrittspreisen kalkulieren, um von der Bevölkerung angenommen zu werden. Um die Betriebskosten zu decken, war die Anlage daher, wie damals üblich, mit einer Waschanstalt verbunden. Aber ein solches Angebot diente auch der Hygiene, da zur krankheitsabwehrenden Reinlichkeit des Körpers ebenso die Reinigung der Wäsche gehörte.

 

 

Ansicht der alten Badeanstalt 

(Anzeige aus dem Dülmener Anzeiger vom 20. Mai 1899)

Kinderspaß in der alten Badeanstalt

 

Preistafel

(Anzeige aus dem Dülmener Anzeiger vom 29. Mai 1895)

 

Alte Overbergschule

1909

Später, im Jahr 1909, wurde in dem damaligen Neubau der städtischen Overbergschule ein öffentliches Brausebad eingerichtet, das für die Bevölkerung noch besser erreichbar war und niedrigere Preise aufwies als die Badeanstalt an der Münsterstraße. Die Stadt hatte damit die Aufgabe übernommen, ein Mindestangebot an Reinigungsmöglichkeiten für die Allgemeinheit sicherzustellen und dies auch als öffentliche Pflicht anerkannt. Die Kombination mit einem Schulbad war für städtische Brausebäder zu jener Zeit nicht ungewöhnlich. Es wurde, mit Ausnahme der Jahre 1943/45, als es als Luftschutzraum diente, bis 1962 betrieben. Vor allem unmittelbar nach dem Krieg erfüllte es den Zweck, für die ausgebombte Bevölkerung eine regelmäßige Körperreinigung zu gewährleisten und so den Ausbruch von Seuchen zu verhindern.

 

 

 

Strandleben 1939 

(Postkartenmotiv)

 

Blick von der Terrasse der Strandwirtschaft auf das Strandbad

(Postkartenmotiv aus den 1930er Jahren)

1930

Da das Bad in der Münsterstraße nicht mehr den Ansprüchen der Zeit entsprach und im Laufe der Zeit auch die Wasserversorgung nachließ, leitete die Stadt 1929 den Bau eines modernen Freibades in die Wege, indem sie  ein Grundstück am großen Fischteich des Herzogs von Croÿ pachtete. Motiv der Initiatoren des Bades war die Förderung des Schwimmens bei Jung und Alt aus sportlichen und gesundheitlichen Gründen. Nach seiner Fertigstellung im Jahre 1930 bewährte sich das Strandbad als Austragungsort von regionalen Schwimmwettkämpfen, aber ebenso als Naherholungsziel für die Bevölkerung. Die Ausstattung war, gemessen an heutigen Ansprüchen, zwar einfach, aber die Möglichkeit, Schwimmwettbewerbe zu veranstalten, war gegeben und an die 1.000 Zuschauer hatten gute Sichtmöglichkeiten. Dennoch blieb es ein Zuschussbetrieb. Für den Nationalsozialismus galt das Schwimmen als eine Fähigkeit, die jeder Deutscher hätte beherrschen müssen und das Schwimmenlernen somit als eine vaterländische Pflicht. Nach dem Krieg konnte das Strandbad an seine Blütezeit in den 30er Jahren nicht mehr anknüpfen. Es besteht heute noch im Rahmen einer großen, gepflegten Campingplatzanlage. 

 

 

Plakat zur Ausrichtung der Gaumeisterschaften am 2.8.1931

 

 

Badeordnung von Buldern 

(Anzeige aus der Dülmener Zeitung vom 31. Mai 1930)

 

Buldern und Rorup, zwei angrenzende Gemeinden, leisteten sich ebenfalls Schwimmbäder. Es handelte sich hierbei um Einrichtungen, die 1929 bzw. um 1939 entstanden waren und heute nicht mehr existieren. In beiden Fällen wurden die Anlagen jeweils an einem Bach errichtet, der die notwendige Tiefe aufwies. Das Buldener Bad öffnete 1929 seine Pforten und wurde mit einer Badeaufsicht relativ professionell betrieben. 

Demgegenüber war das Roruper Bad erst Ende der 30er Jahre entstanden, zu einer Zeit also, als die nationalsozialistischen Machthaber den Bau von Schwimmstätten auf dem Lande vehement propagierten und auch förderten. Es diente dem Spaß der Kinder und als Trainingsplatz für die Deutsche Jugend (DJ) und Hitlerjugend (HJ). Beide ländlichen Schwimmeinrichtungen verschwanden 1945 wieder.

Lage des Roruper Schwimmbades 

 

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Hallenbad - Innenansicht

1964

Den Luxus eines auch im Winter betriebenen, beheizten Hallenbades leistete sich Dülmen erst nach Abschluss der Wiederaufbauphase. Nach 23 Monaten Bauzeit wurde im April 1964 eine Kleinschwimmhalle in Betrieb genommen, wie sie damals für Gemeinden mit einem Einzugsbereich von 10.000 bis 30. 000 Einwohnern im Auftrag des Deutschen Sportbundes entwickelt worden war. Sie entsprach in jeder Hinsicht den damaligen Anforderungen an ein Sportbad. Sie stieß daher bei der Bevölkerung wie auch bei den Schulen und den Garnisonsangehörigen der Bundeswehr auf große Resonanz und Akzeptanz. Mit der Eröffnung des düb endete der Badebetrieb. Viele hatten gehofft, dass eine Schließung 1998 durch Um- und Erweiterungsbaumaßnahmen hätte verhindert werden können.

 

 

1975

Da das Strandbad von Hausdülmen an Attraktivität eingebüßt hatte und die Wasserqualität nachließ, kam die Bevölkerung 1975 an der Nordlandwehr in den Genuss eines Freibades mit einem 50-Meter-Becken und Erlebniselementen wie einer 70-Meter Rutsche. Als Sommerbad des düb wurde es, teilweise umgebaut und modernisiert, 1998 wiedereröffnet.

 

 

Freibad - Luftbild

düb - Freiluftanlage

 

1998

Nachdem die Ansprüche der Bürger im Freizeitbereich weiter gestiegen waren und sich der Trend in Richtung Spaß- und Freizeitbad entwickelte, wollte auch Dülmen nicht zurückstehen. Die Kosten schienen in der ersten Planungsphase offenbar keine Rolle gespielt zu haben. Die Stadtverwaltung plante mit dem sog. Projekt "Münsterlandtherme" ein Badezentrum für das gesamte Münsterland, das auch verwöhnte Gäste zufrieden stellen sollte. Doch die Wellen der Empörung in der Öffentlichkeit schlugen hoch. Schließlich fand man eine preiswertere Lösung und überarbeitete die vorliegenden Pläne entsprechend. Am 11. Juni 1998 wurde das düb seiner Bestimmung übergeben. Die Besucherzahlen zeigen, dass das helle und geräumige Hallenbad auf breite Zustimmung stößt. Dazu tragen auch die vielen attraktiven Angebote des Badmanagements bei. Es bietet jedem etwas: Erlebnishungrigen: 54-Meter-Rutsche, Sportbegeisterten: 8 Meter mal 25-Meter Becken mit Sprungturm, Entspannungssuchenden: Sprudelbäder im Nichtschwimmerbecken sowie Ruhezonen, "Gesundheitsaposteln": zwei Solebecken und für die Verpflegung zwischendurch: ein kleines Bistro. Zudem vervollständigt ein neuer Wellness- und Vitalbereich im dübVita und dübVitaRelax das vielversprechende Erholungsangebot.

düb - Nichtschwimmerbereich 

Blick auf das Sole-Außenbecken des düb


    

 

 

düb-Plakat (1998)

Fazit

Dülmen hat in seinen Badeangelegenheiten stets den Weg des Machbaren beschritten. Es baute zweckmäßige Bäder, die auf der Höhe der jeweiligen Zeit standen, aber keine Schwimmpaläste. Dadurch konnte eine über hundertjährige Kontinuität im Bäderbau gewährleistet werden. Es kann zudem festgestellt werden, dass das Engagement der Stadt für das Badewesen im Laufe der Zeit in dem Maße zugenommen hat, in dem die öffentlichen Angelegenheiten demokratisiert wurden. Bei der Planung des düb hat es seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Die Zukunft könnte aber angesichts steigender Baupreise und immer neuer Bedürfnisse den privaten Investoren gehören.

 

 

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