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Vorgeschichte

Torf zu Dünge- und Heizzwecken wurde während der ganzen frühen Neuzeit im Bereich der Moorgebiete südlich des Heubachs gestochen. Ein instruktives Beispiel für die Existenz des Torfabbaus liefert die Jahresrechnung des Heilig-Geist-Hospitals in der Stadt Dülmen von 1580. Für Heizzwecke kaufte der Verwalter des Hospitals mehrere Fuder Torf, für das  jeweils 13 Schilling zu zahlen waren. Um den Preis besser Einordnen zu können, sei erwähnt, dass sich der Tageslohn eines Arbeiters (Tagelöhner) auf einen Schilling belief.

Die Abbaugebiete im Dülmener Raum befanden sich jenseits der Stadt- und Gemeindegrenzen auf dem Gemeindegebiet des benachbarte Kirchspiels Haltern in den Ortschaft Hülsen und Lavesum.

Bäuerliche Grundbesitzer stachen auf ihren Parzellen südwestlich des heutigen Torfvenn-Teichs Weiß- und den als Brennstoff geeigneteren Schwarztorf. Da das Moor im Herbst und Winter nach den Niederschlägen nur wenig Halt bot, stach man in den Sommermonaten von den ins Moor führenden Dammwegen aus Torf, der zum Trocknen aufgeschichtet wurde. Nach Abschluß des Trocknungsprozesses holte man den Torf mit Karren und Pferdewagen aus dem Moor.

Auf der Karte von 1897 sind die damaligen Abtorfungsflächen in blauer Farbe markiert.

 

 

 

 


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Stechen des Torfs im Lavesumer Moor

 

Abtransport des gestochenen Torfs mit Feldbahnen

 

Aufschichten des frischen Torfs zum Trocknen

 

Abtransport des getrockneten Torfs mit der Teckelbahn

 

Torfwerk in Merfeld am Bahnhaltepunkt 

(Fotos: Kleimann, Dülmen)

Chronologie zur Merfeld A.-G.

1923   Gründung der Merfeld Aktiengesellschaft zur Abtorfung und Kultivierung des Merfeld-Lavesumer Venns südlich des Heubachs

Anpachtung von 113 ha Moorgebiet im Kirchspiel Haltern vom Herzog von Croy für die Dauer von 50 Jahren

Bau einer Torfstreufabrik am Bahnhof Merfeld

Anlage einer 9 km langen Feldbahn vom Bahnhof Merfeld zum Torfabbaugebiet am Heubach

Inbetriebnahme der mit Dampflokomotiven betriebenen Feldbahn

1929    Der Jahresgesamtumsatz belief sich auf fast 400.000 Mark und erreichte damit sein Maximum in der Zeit von 1923-1960.

1930    Ersatz des Blechkamins der Torfstreufabrik durch einen Steinkamin

1939    Die Beschäftigtenzahl schwankte zwischen 63 Arbeitern Anfang und 36 gegen Ende des Jahres. Sie waren mit dem Weißtorfabbau im Handstich und der Weiterverarbeitung beschäftigt.

Monatlich wurden in der Fabrik am Merfelder Bahnhof 13.000 Ballen Torfstreu und -mull sowie der Mischdünger "Biohum" erzeugt.

1941   Vernichtung von Torfmieten, Schutzhütten und Gerät im Lavesumer Venn durch Fliegerbomben

1944   Die 60 cm breite Schmalspurbahn verfügte über 4 Kleinloks mit 50 Transportwagen.

1946    Kauf einer Schwarztorfpresse zur Gewinnung von Brenntorf

1946/47 Einstellung des Torfabbaus nach Absperrung für ein Bombenabwurfgelände der englischen Luftwaffe

1948    Wiederaufnahme des Torfabbaus

1949   Gleisumlegung im Ort Merfeld nach Ausweisung eines Neubaugebietes

1950   Verfall des Torfpreises nach der Währungsreform und Brand im Moor

Rückgang der Jahresproduktion auf 20.000 Ballen

Umwandlung der Aktiengesellschaft in eine GmbH

Anpachtung des Torfabbaugebiets durch die Gesellschafterin C. Deilmann Bergbau GmbH, Papenburg

1953   Im Lavesumer Venn sind 25 Arbeiter beschäftigt.

Beschlagnahme der Abbauflächen für die Nutzung als Schießplatz

1959    Abschluß des Abbaus der Weißtorfvorkommen

1960    Liquidation der Merfeld GmbH

Aufnahme der Feldbahngleise

Abriß der Wohnbaracke im Venn

 

 


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Trasse der Schmalspurbahn

Wer heute den Spuren des ehemaligen Torfabbaus in Merfeld folgen will, findet dazu nur noch wenige Anhaltspunkte. Die Schmalspurbahn wurde schon vor 40 Jahren abgebaut, das einstige Torfabbaugebiet ist militärisches Sperrgebiet und darf nicht mehr betreten werden, das Gelände der Torffabrik am ehemaligen Merfelder Bahnhof hat heute eine andere Nutzung gefunden und die alten Gebäude sind verschwunden.

Deshalb mag es hilfreich sein, den Ausgangs- und Endpunkt der Bahn sowie ihren Verlauf auf dem heutigen Stadtplan einzuzeichnen, damit interessierte Bürger und Gäste vor Ort und auf dem Weg ein Bild von der Landschaft und ihrer Bedeutung als Roh- und Brennstofflieferant gewinnen können.