Biographien und Bilder

Nach den Publikationen, die im Zusammenhang mit der staatlichen Untersuchung (1819) entstanden, wurde es ruhig um Anna Katharina Emmerick. Erst die Veröffentlichung der Visionen vom Bitteren Leiden unter ihrem Namen durch Clemens Brentano lenkte 1833 neue Aufmerksamkeit auf sie. In der Einleitung entwarf Brentano die Lebensbeschreibung der frommen Klosterfrau, die stark geprägt ist von der Tradition der Nonnenvita. In ihr stehen weniger biographische Details als mystische Erfahrungen im Vordergrund. Die hohe Verbreitung der Passionsschilderung in Süddeutschland, den USA, Frankreich und Italien sorgte dort für eine anhaltende Verehrung Anna Katharinas, die 1858 zur Stiftung eines Grabkreuzes durch römische Adelige führte. 

Dagegen bemerkte Domdechant Krabbe, der aus diesem Anlass eine Schrift unter dem Titel Erinnerung herausgab, dass Anna Katharina in Westfalen leider zu sehr in Vergessenheit gerathen sei. 

Im gleichen Jahre (1858) legte der Ordenspriester Karl Erhard Schmöger den ersten Band der Visionen mit dem Lebenswandel Jesus vor, die er aus den Tagebüchern Brentanos zusammengestellt hatte. Als bester Kenner der Emmerick-Überlieferung verfasste er deren Biographie, die in zwei Bänden (1867/70) erschien. Auf diesem Werk fußen alle folgenden Lebensbeschreibungen Anna Katharinas. Einen einbändigen, mehrfach aufgelegten Auszug fertigte nach Schmögers Tod 1884 ein Ordensbruder an. 

Die vom Freiburger Verlag Herder vertriebenen Ausgaben ergänzten kurze Biographien, die der Dülmener Verlag Laumann seit Mitte der 1870er Jahre auflegte. Zunächst erschien anonym die Schrift Das Leben der gottseligen Anna Katharina Emmerich. Diese löste 1891 eine von dem Augustinerpater Thomas Wegener verfasste Lebensgeschichte ab, die reich bebildert wurde. Diese “Volksausgabe” wird bis heute aufgelegt und war lange prägend.

 Volkstümliche Geschichten Anna Katharinas für Jugendliche entstanden in den 1920er Jahren. 

Eine zeitgemäße Biographie legte Günter Scholz im Jahre 2003 mit dem Untertitel Kötterstochter und Mystikerin vor.

 

C.F. Krabbe: Erinnerung an die selige Anna Catharina Emmerich, Münster 1860.

Verehrung in Dülmen genoss Anna Katharina noch Jahrzehnte nach ihrem Tod, während sie im norddeutschen Katholizismus fast vergessen war. Domdechant Krabbe nutzte die Graböffnung 1858, um ihre Person und Visionen einem breiten Publikum in Westfalen vorzustellen. 

Neben Brentanos Lebensumriss im Bitteren Leiden griff Krabbe auf Overbergs Aufzeichnungen sowie die Berichte der Graböffnungen 1824 und 1858 zurück. Seine Schrift dient mehr der Information als der Stilisierung einer Seligen.

C.E. Schmöger: Das Leben der gottseligen Anna Katharina Emmerich, Freiburg 1867/70.

Dem Redemptoristen Carl Erhard Schmöger als bestem Kenner der Tagebücher Brentanos fiel wie von selbst die Abfassung einer Biographie zu. Krabbe drängte ihn dazu, machte ihm die Akten der kirchlichen Untersuchung zugänglich und stellte den Kontakt zu Zeitzeugen her. 

Die Hauptquelle des zweiten Bandes bildeten jedoch Anna Katharinas Visionen, für die Schmöger eine besondere Empfänglichkeit hatte. Ziel der Beschreibung bildete die Darstellung der heilig mäßigen Lebensführung und die göttliche Auserwählung Anna Katharinas. Ihr Leiden habe sie stellvertretend für die Kirche in einer Zeit der Irrlehren und des Unglaubens getragen, so Schmögers Verständnis.

Th. Wegener: Das wunderbare innere und äußere Leben der Dienerin Gottes Anna Katharina Emmerich, Dülmen 1891.

Der gebürtige Coesfelder Thomas Wegener machte es sich nach seinem Eintritt in das einzige deutsche Augustinerkloster (1886) zur Aufgabe, die Seligsprechung seiner Ordensschwester Anna Katharina Emmerick zu erreichen. Begleitend zur Aufnahme des Seligsprechungsprozesses erschien 1891 die erste Auflage seiner Emmerick-Biographie. 

Anna Katharinas Leben spiegelt darin den Verfall der katholischen Kirche zur Zeit der Säkularisation. Kirchliche und staatliche Untersuchungen werden als ihre Kreuzwege interpretiert. Im Nachklingen des Kulturkampfes stilisiert Wegener sie zur Vorkämpferin gegen das protestantische Preußen mit staatlichem Schulwesen und Mischehe. Sie opfert sich für die Wahrung von Glauben und Kirche.

Maria und Julia Gräfin Schmiesing-Kerssenbrock

Unter Anleitung von Luise Hensel fertigten die Enkelinnen des Grafen Stolberg um 1860 eine Zeichnung Anna Katharinas im Profil an. 

Die Zeichnung ist die einzige, die nach den Angaben einer engen Freundin Anna Katharinas geschaffen, ihr sehr ähnlich sein soll. In retuschierter Form ist sie die wohl bekannteste Abbildung der Emmerick.

Eduard Steinle

In Clemens Brentanos Tagebüchern ist eine Skizze enthalten, die als Vorlage dieses Kupferstichs diente. Eduard Steinle (1810-1886), Freund Clemens Brentanos und Illustrator seiner Werke, gestaltete diese Abbildung Anna Katharinas als Visionärin für das Titelblatt von Schmögers Biographie. 

Die asketische Haltung und Darstellung korrespondiert mit der von Schmöger entworfenen Charakterisierung Anna Katharinas. Als Titelbild der Lebensbeschreibung fand sie eine weite Verbreitung.

Zodel

Der Fotograph Zodel schuf 1879 eine Zeichnung Anna Katharinas. Die Abbildung nimmt in der Darstellungsform die Zeichnung der Schwestern Schmiesing-Kerssenbrock, in den Details jedoch einen Holzstich von Max Schmalzl und den Kupferstich von Steinle auf. 


Ein unbekannter Künstler schuf in dieser Art Emmerick-Abbildungen für die von Wegener verfasste Biographie.

Gabriel von Max

Der Kunstmaler von Max schuf 1885 das Bild mit dem Titel Die ekstatische Jungfrau Anna Katharina Emmerick. Max hatte in München eine Professur für Historienmalerei.

 Seine Vorliebe für mystische Bildmotive zeigt sich in diesem Gemälde, das einige Kunstkritiker handwerklich zwar als eindrucksvoll und vollendet, aber von seiner Thematik als rückwärts gewandt ansahen.

Anna Maria von Oer

Wie ihr Vater, der in Westfalen bekannte Theobald von Oer, war Anna Maria als Kunstmalerin tätig. Sie schuf zahlreiche Andachtsbilder für Kirchen, weshalb sie als besonders geeignet erschien, ein Gemälde für das 1898 eingerichtete Emmerick-Haus zu schaffen. 

Anna Maria von Oer hatte Zugang zu Gegenständen aus dem Nachlass, um ein möglichst authentisches Bild zu gestalten.

Heinrich Holtmann

Dem Kevelaerer Künstler Heinrich Holtmann ging es 1926 um die Darstellung des Wesens Anna Katharina Emmericks, wie er es verstand. Nicht körperliche Schwäche und Hilflosigkeit kennzeichnen die von ihm gemalte Visionärin, sondern tiefe Ergriffenheit und der aktive Wille die Leiden des Gekreuzigten zu teilen. Holtmann steht der Tradition eines Gabriel von Max näher als den um größtmögliche Authentizität bemühten Versuchen der Schwestern Schmiesing-Kerssenbrock, Zodel oder von Oer.