Das Königreich Preußen

Seit dem Wiener Kongreß von 1815, der die Nachkriegsordnung regelte, dehnte sich Preußen wieder bis zum Rhein aus. Zu den seit 1648 endgültig zu Preußen gekommenen Territorien Minden-Ravensberg und Kleve-Mark wurden die 1802 säkularisierten westfälischen Fürstbistümer wie Münster und Paderborn sowie die rheinischen Erzbistümer Köln und Trier hinzugeschlagen, die während der napoleonischen Zeit zum Großherzogtum Berg und zum Königreich Westphalen gehört hatten. Wie das Kartenbild zeigt, standen die beiden westlichen Provinzen den östlichen räumlich unverbunden gegenüber. Diesem 1815 entstandenen heterogenen Staat, der durch Großgrundbesitz in den konservativen, altpreußischen Provinzen wie Brandenburg, West- und Ostpreußen geprägt war, dem ein liberales Wirtschaftsbürgertum im Rheinland gegenüberstand, galt es, durch Reformen zu modernisieren und zu vereinheitlichen. Dazu diente die 1815 erlassene Verordnung wegen verbesserter Einrichtungen der Provinzialbehörden, die Gemeinde-, Kreis-, Bezirks- und Provinzialverwaltungen einführte. Damit wurde eine einheitliche Verwaltung im ganzen Staat eingeführt, der im Westen durch napoleonische Munizipalverwaltungen im Osten aber auf der Basis der Rittergüter organisiert gewesen war. An der Spitze der durch gleichartige Lebensverhältnisse geprägten Provinzen standen die Oberpräsidenten, die die Integration in den Staat betreiben sollten. Weitere Reformen, wie die Ablösung der gutsherrlichen Rechte durch die bäuerlichen Landpächter oder die Einführung der revidierten Städteordnung dienten dem gleichen Zweck.