Statement der Stadt Dülmen zur vorliegenden Wirtschaftlichkeitsanalyse zum Projekt „Bildungscampus Dülmen“.
Die Stadt Dülmen arbeitet seit mehreren Jahren an dem Projekt „Bildungscampus Dülmen“, um am Standort Berningheide einen modernen und zukunftsfähigen Schul- und Lernort zu verwirklichen. Die Planungen für das Projekt erfolgten auf Basis einer Machbarkeitsstudie des Büros „conceptK“, welche 2020 nach dem Scheitern des Sekundarschulprozesses erstellt wurde. Bereits zum damaligen Zeitpunkt war klar, dass der Neubau der Hermann-Leeser-Realschule sowie der Kardinal-von-Galen-Schule an einem gemeinsamen Standort ein Projekt vonaußergewöhnlicher Größe für die Stadt Dülmen darstellt. Die damalige Kostenschätzung ging von einem Investitionsvolumen von rund 45 Millionen Euro aus.
Nach Abschluss des städtebaulichen Wettbewerbs im Frühjahr 2026, mit dem die Planung für das Projekt weiter konkretisiert und geschärft wurde, hat die Stadt eine weitergehende Wirtschaftlichkeitsbetrachtung in Auftrag gegeben. Dies erfolgte auch auf Grundlage von Rahmenbedingungen, die sich in den vergangenen Jahren verändert haben. Zu nennen sind hier beispielsweise die allerorts extrem gestiegenen Bau- sowie Zinskosten und die inhaltliche Ausweitung des Projektes um mögliche weitere Bildungspartner.
Zudem befindet sich die Stadt Dülmen seit dem Jahr 2024 in der Haushaltssicherung, welche den Spielraum für Investitionen und Leistungen einschränkt. Die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung sollte deshalb eine verlässliche Zahlengrundlage zu der zu erwartenden Investitionssumme wie auch zu den langfristig anfallenden Kosten liefern. Sie sollte außerdem den möglichen Neubau an der Berningheide nochmals mit einer Sanierung und Erweiterung der bestehenden Schulgebäude vergleichen und bewerten.
Erheblich gestiegene Kosten
Die Ergebnisse dieser Analyse liegen jetzt vor und wurden in der öffentlichen Sitzung des Ausschusses für Schule und Bildung am Donnerstag, 01. Oktober vorgestellt. Nach aktueller Berechnung durch die „DKC Kommunalberatung GmbH“ müsste die Stadt für den Bau des Schulcampus‘ mit Investitionskosten von knapp 96 Millionen Euro rechnen. Hinzu kämen in den kommenden Jahren neben den üblichen Unterhaltungs- und Betriebskosten insbesondere die ebenfalls erheblich gestiegenen Zinskosten.
„Diese Zahlen stellen eine massive Zäsur dar und zwingen uns nun, das Gesamtvorhaben noch einmal zu überdenken und abzuwägen“, erklärte Bürgermeister Carsten Hövekamp in einer ersten Einschätzung. „Die Verdopplung der Investitionskosten und die gleichzeitig deutlich verschlechterte Haushaltssituation machen ein „weiter so“ aus Sicht der Verwaltung unmöglich.“
Auch für eine umfangreiche Modernisierung der beiden bestehenden Schulstandorte, wie bereits 2020 von conceptK konzipiert, wurde im Rahmen der Wirtschaftlichkeitsanalyse eine neue Kostenschätzung aufgestellt: Diese beläuft sich auf rund 66 Millionen Euro, was ebenfalls eine Steigerung von 14 Millionen im Vergleich zu früheren Berechnungen bedeuten würde.
Rückläufige Schülerzahlen
Aus Sicht der Stadtverwaltung sind beide Varianten – Campus-Neubau sowie umfangreiche Modernisierung – alleine aus städtischen Mitteln und ohne zusätzliche Förderung aktuell kaum darstellbar. Im Ausschuss für Schule und Bildung wurde am Donnerstagabend zudem betont, dass auch gesellschaftliche Entwicklungen sowie sich verändernde Bedarfe in den weiteren Überlegungen berücksichtig werden müssen: Die Schülerzahlen sind aktuell rückläufig – auch die Prognosen für die kommenden Jahre bestätigten diese Entwicklung. Damit muss die Frage, in welchem Umfang und für welchen langfristigen Bedarf die ursprünglich geplanten Investitionen noch erforderlich sind, ebenfalls neu betrachtet werden.
„Vor diesem Hintergrund gilt es jetzt, die nun vorliegenden Daten genau zu prüfen und gemeinsam mit allen beteiligten Partnern sorgfältig und verantwortungsvoll abzuwägen, welche Lösung dem tatsächlichen Bedarf entspricht und zugleich dauerhaft mit der finanziellen Leistungsfähigkeit vereinbar ist“, betont Carsten Hövekamp. Dabei stünden Politik und Verwaltung vor der Aufgabe, ihrer Verantwortung gegenüber heutigen und künftigen Generationen gerecht zu werden. Die Stadt Dülmen wird sich hierzu auch intensiv mit dem Kreis Coesfeld abstimmen und beraten. Der Kreis plant, seine beiden Dülmener Förderschulen des Kreises Coesfeld auf dem Bildungscampus zu verorten.
Gemeinsamer Antrag zur Weiterentwicklung der Schullandschaft
Als Reaktion auf die Ergebnisse der Wirtschaftlichkeitsanalyse haben die Fraktionen von CDU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen im Schulausschuss am Donnerstagabend einen gemeinsamen Antrag eingebracht: Die Verwaltung soll bis zur ersten Sitzungsstaffel im kommenden Jahr unter Berücksichtigung der aktuelllen Entwicklungen ein strategisches Konzept zur schulpolitischen Weiterentwicklung der Dülmener Schullandschaft erarbeiten. Für die Kardinal-von-Galen-Hauptschule und die Hermann-Leeser-Realschule soll die Verwaltung, gemeinsam mit den Schulleitungen und unter Beteiligung der Kollegien, die erforderlichen Baumaßnahmen ermitteln. Vorrang sollen Maßnahmen erhalten, die notwendig sind, um die gute pädagogische Arbeit der Schulen nachhaltig zu sichern und zu stärken sowie einen zeitgemäßen, inklusiven und verlässlichen Schulbetrieb zu gewährleisten.
Die weitergehende politische Diskussion dieses Vorgehens erfolgt im Hauptausschuss am 13. Oktober und in der Stadtverordnetenversammlung am 15. Oktober.






