Was für Menschen haben als Stadtverordnete in der Weimarer Republik die Kommunalpolitik in Dülmen bestimmt – und was wurde aus ihnen in der Zeit des Nationalsozialismus nach 1933? Diese Frage untersuchte seit 2023 ein Forschungsprojekt des Stadtarchivs Dülmen auf Grundlage eines Ratsbeschlusses, angeregt durch einen Bürgerantrag. Entstanden ist daraus nun das Buch „Die Dülmener Stadtverordneten der Weimarer Republik und ihr Schicksal im Nationalsozialismus“ von Stadtarchivar Dr. Stefan Sudmann, das der Heimatverein Dülmen herausgeben wird. Es geht im Oktober in den Druck und wird voraussichtlich ab Anfang Dezember erhältlich sein.
Interessierte können sich beim Bürgertreff am 3. Oktober am Stand des Heimatvereins (auf dem Markt der Möglichkeiten) über das Buch informieren und es ab diesem Tag auch beim Stadtarchiv vorbestellen (stadtarchiv@duelmen.de). Zahlreichen Sponsoren, darunter das Land Nordrhein-Westfalen, der Landschaftsverband Westfalen-Lippe, die Sparkassenstiftung Westmünsterland, die Bürgerstiftung Dülmen und der Lions-Club Dülmen, haben das Projekt unterstützt. So konnte ein günstiger Verkaufspreis von 3 Euro ermöglicht werden. Die Dülmener Schulen können jeweils einen kostenlosen Klassensatz zur politisch-historischen Bildung und zur Demokratie-Bildung erhalten.
Durch die Kombination vielfältiger Quellen der kommunalen, staatlichen und kirchlichen Überlieferung bietet das 172 Seiten umfassende Buch ein buntes Bild ganz verschiedener politischer Biographien. „Es wird für Dülmen aber mehr bieten als nur Biographien von 73 Stadtverordneten – darunter zwei Frauen – und Verweise auf ein Dutzend weitere Kommunalpolitiker“, betont Stadtarchivar Dr. Stefan Sudmann. „Sichtbar wird an den Biographien auch die Dülmener Stadtgesellschaft mit ihren Netzwerken.“ Denn die meisten Stadtverordneten waren nicht nur in Parteien, sondern zugleich in Vereinen, Verbänden und Gremien aktiv, in Gesangvereinen, Arbeitervereinen, Gewerkschaften, in der Kirche (Kirchenvorstand, Kirchenchor, Männersodalität) und vor allem in Schützenvereinen, z.B. als Schützenkönige und/oder Vorstandsmitglieder.
Für Nordrhein-Westfalen handelt es sich bei dem Projekt um eine Pionierstudie: Es liegen zwar für einzelne Städte Publikationen über Stadtverordnete und Stadträte der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus vor, jedoch noch nicht mit solch ausführlichen Biographien aller Stadtverordneten, wie das Dülmener Buch sie bieten wird. Das nun abgeschlossene Dülmener Forschungsprojekt kann so auch als Anregung für ähnliche Projekte in anderen Städten dienen.






