Die Stadt Dülmen arbeitet aktuell in Kooperation mit den Stadtwerken an einer klimagerechten Wärmeplanung. Hierfür werden zunächst sogenannte „Quartierskonzepte“ erstellt. Für den Standort Buldern fand im Mai bereits eine Veranstaltung statt. Weiter geht’s am Mittwoch, 28. August, mit einem Info-Abend für Dülmen-Mitte. Die Ausarbeitung von Quartierskonzepten ergibt sich aus dem Klimaschutzgesetz, nachdem Deutschland bis zum Jahr 2045 klimaneutral werden will. Die aktuell anfallenden Kosten werden mit 75 Prozent der Investitionssumme durch die KfW-Bank gefördert. Im Interview erläutern Carolin Dietrich (Klimaschutzmanagerin der Stadt Dülmen) und Dirk Erpenstein (Stadtwerke Dülmen GmbH), worum es bei der Wärmeplanung konkret geht – und wie Hauseigentümer davon profitieren können.
Stadt und Stadtwerke arbeiten gemeinsam an einem „kommunalen Wärmeplan“. Das hört sich erst einmal ziemlich abstrakt an. In einfachen Worten: Worum geht es?
Carolin Dietrich: Wenn wir 2045 klimaneutral sein wollen, müssen wir die Frage beantworten, wie wir in Zukunft unsere Häuser und Gebäude heizen wollen. Dazu ist es erforderlich, zu ermitteln, wie wir heute unsere Häuser und Gebäude heizen und wieviel Energie benötigt wird. Nur so können wir die Bedarfe und die Quellen zusammenbringen und feststellen, wie mit regenerativ erzeugter Energie der benötigte Bedarf gedeckt werden kann.
Dirk Erpenstein: Wir müssen auf der einen Seite den Wärmebedarf unserer Gebäude senken – und zwar durch energetische Sanierungen. Auf der anderen Seite werden wir aber auch künftig noch viel Energie für die Wärmeversorgung einsetzen müssen. Diese sollten dann aber möglichst vollständig aus erneuerbaren Quellen gedeckt sein, um unsere Gebäude klimaneutraler zu machen…
Carolin Dietrich: … und genau da kommt der Wärmeplan ins Spiel.
Was für Vorteile kann dieser Wärmeplan für Hauseigentümer und Hauseigentümerinnen sowie bringen?
Carolin Dietrich: Zunächst einmal bietet er mehr Sicherheit bei der Planung künftiger Investitionen: Fossile Heizungsanlagen können beispielsweise nur noch unter bestimmten Bedingungen installiert werden. Durch eine energetische Sanierung wird das Gebäude klimaschonend ausgerichtet und damit der Wohnkomfort für die Bewohner gesteigert. Gleichzeitig steigt auch der Wert der Immobilie. Energetische Sanierung ist somit eine Investition in die Zukunft, zumal auch die Neben- und Heizkosten sinken und wir als Land unabhängiger von Energieimporten werden.
Sie werden dennoch Überzeugungsarbeit leisten müssen, immerhin geht ein derartiger Wandel nicht ohne Investitionen der Eigentümer, oder?
Dirk Erpenstein: Vieles hängt von dem Investitionsverhalten und -willen der Hauseigentümer ab. Das ist klar. Außerdem herrscht aktuell ein Fachkräftemangel in vielen handwerklichen Gewerken, die aber für die Umsetzung eines Wärmeplans eine wesentliche Rolle spielen. Auch das muss man bedenken. Wenn wir aber klimaschonendender Wohnen und Leben wollen, hilft Anpacken und kein Klagen!
Zunächst werden fünf Quartiere in Dülmen untersucht – die Ergebnisse sollen dann Grundlage für einen kommunalen Wärmeplan bilden. Warum dieser Zwischenschritt und nicht direkt eine gesamtstädtische Planung?
Carolin Dietrich: Dülmen hat bereits 2019 ein Konzept für das Quartier Butterkamp entwickelt und sich auf den Weg zu einer nachhaltigen Wärmeversorgung gemacht. Aufbauend auf diesen Erfahrungen haben wir uns erfolgreich um Fördermittel für weitere Quartierskonzepte beworben. Wir arbeiten uns somit von einer kleinen auf eine größere Ebene vor: Die Quartierskonzepte werden eine sehr gute Grundlage für die gesamtstädtische Wärmeplanung sein. Sie stellen dann einen Kompass für Politik und Verwaltung bei der Stadt- und Energieplanung dar.
Welche Rolle kann Wasserstoff bei der Wärmeversorgung spielen?
Dirk Erpenstein: Aktuell läuft die überregionale Planung für den Ausbau der Wasserstoff-Infrastruktur. Erste Leitungen in unserer Region sollen ca. 2026 in Betrieb gehen. Vorrangig soll jedoch die Großindustrie, die einen sehr hohen Bedarf an Energie hat, mit Wasserstoff versorgt werden. Ein Anschluss an ein Wasserstoffnetz oder eine Beimischung von Wasserstoff zum Erdgas ist in unserem Versorgungsgebiet momentan noch nicht geplant. Einzelne Projekte zeigen aber, dass die vorhandenen Gasnetze in sehr vielen Fällen auch für den Transport von Wasserstoff bzw. einem Gemisch aus Erdgas und Wasserstoff genutzt werden können.






