Das lange Warten hat ein Ende: In der kommenden Woche beginnen die finalen Arbeiten an der Fußgänger- und Radfahrer-Brücke am Bahnhof. Die Stadt Dülmen hat hierfür ein Fachunternehmen für Ingenieur- und Brückenbau aus Castrop-Rauxel beauftragt. Dieses wird die noch erforderlichen Arbeiten am Korrosionsschutz durchführen, fehlende Anbauteile wie beispielsweise Entwässerungsrohre einbauen und den Fahrbahnbelag aufbringen. Im März 2027 soll die Brücke dann eingehoben werden.
In der kommenden Woche bereitet das Unternehmen zunächst das Baufeld vor. „Richtig los geht es in der zweiten Novemberwoche. Die Brücke wird mit einem Gerüst inklusive Dach und Schutzfolie vollständig eingehaust, so dass die nachfolgenden Arbeiten dann auch witterungsgeschützt durchgeführt werden können“, erklärt Stefan Damen, Abteilungsleiter für Straßenplanung und Landschaftsbau der Stadt Dülmen.
Der Einhub erfolgt mit Hilfe eines besonders leistungsfähigen Krans im kommenden März: Für den Zeitraum von Februar bis Mai 2027 hatte die Deutsche Bahn ohnehin eine Sperrpause angekündigt, um auf der Strecke Wanne-Eickel – Münster umfangreiche, gebündelte Baumaßnahmen durchzuführen. Nach erfolgtem Einhub erfolgen noch kleinere Restarbeiten, ehe dann im Sommer 2027 die Anbindung an den Baumschulenweg erfolgt. Die Brücke soll dann im Herbst 2027 freigegeben werden.
Hintergrund:
Die Bauteile für die Fußgänger- und Radfahrer-Brücke am Bahnhof wurden in den Jahren 2020/21 von einem Stahlbauunternehmen in dessen Werk gefertigt. Nachdem ein von der Stadt Dülmen beauftragter Fertigungsüberwacher fehlende Unterlagen und Zertifizierungen bemängelt hatte, untersagte die Stadt 2021 den geplanten Transport vom Werk zum Dülmener Bahnhof. Das Unternehmen veranlasst daraufhin den Transport der Teile auf eigenes Risiko und ohne Transportfreigabe.
Die fehlenden Unterlagen wurden zwar teilweise vom Unternehmer nachgeliefert, aber bei weitem nicht vollständig erbracht. Insbesondere wurde die sogenannte Herstellererklärung (Konformitätserklärung) verweigert. Mit dieser Erklärung bestätigt der Hersteller, dass sein Produkt den geltenden Anforderungen und Richtlinien entspricht und innerhalb der EU verwendet werden kann. Nachdem das Unternehmen diese Nachweise in der Folge weiterhin nicht vorlegte und daraufhin Einhub-Termine abgesagt werden mussten, kündigte die Stadt im November 2021 das Vertragsverhältnis. Anfang 2022 stellte die von der Stadt Dülmen beauftragte Schweißtechnische Lehr- und Versuchsanstalt (SLV) Auffälligkeiten an den Schweißnähten sowie beim Korrosionsschutz der Brücke fest. Die Stadt forderte den Hersteller auf, mögliche Fehler zu überprüfen und zu beheben. Dieser Aufforderung kam das Unternehmen jedoch nicht nach.
Als Folge stellte die Stadt im März 2022 beim Landgericht einen Antrag auf ein selbstständiges Beweissicherungsverfahren zum Zustand der Bahnhofsbrücke. Das Landgericht beauftragte einen unabhängigen Gutachter, der die Brücke und das vorhandene Gutachten untersuchte. Der im November 2023 veröffentlichte Bericht bestätigte zwar die Verdachtspunkte – traf jedoch keine Aussagen zur Verwendbarkeit der Brücke. Daraufhin wurde eine weitergehende Untersuchung vom Landgericht veranlasst. Die Ergebnisse lagen im August 2025 vor: Auch dieses Gutachten bestätigte die Auffälligkeiten, zeigte jedoch die Möglichkeit auf, das Bauwerk noch zu „retten“ und einzuheben – wenn entsprechende Prüfnachweise erbracht und Nachbesserungen am Korrosionsschutz durchgeführt würden.
Erneut wurde dem Hersteller der Brücke die Chance eingeräumt, die erforderlichen Nachweise zu erbringen, erforderliche Nachbesserungen durchzuführen und an einer Lösung mitzuwirken. Nach Verstreichen der gesetzten Frist beauftragte die Stadt Dülmen dann ein Ingenieurbüro für Baustatik und Tragwerksplanung. Dieses hat im Mai 2026 den vom gerichtlichen Gutachter aufgezeigten Lösungsweg nachweisen können und ein Sanierungskonzept für den Korrosionsschutz erstellt. Die erforderlichen Arbeiten werden ab der kommenden Woche durchgeführt.






