„Miteinander reden hilft, so viel ist sicher“

Dieses Foto zeigt Wolfgang Großmann (l.) und Heinz Steentjes.

Wolfgang Großmann (l.) und Heinz Steentjes sind seit Anfang Mai Beauftragte der Stadt Dülmen für die Belange von Menschen mit Behinderung (Foto: Stadt Dülmen / Siemes)

Brückenbauer, Bindeglieder, Kümmerer: Es sind Begriffe wie diese, mit denen Wolfgang Großmann (76) und Heinz Steentjes (77) ihre neue Aufgabe beschreiben. Die Politik hat die Beiden Ende März zu „Beauftragten für die Belange von Menschen mit Behinderung“ ernannt. Anfang Mai haben Großmann und Steentjes diese neu geschaffene, ehrenamtliche Tätigkeit aufgenommen. Im Interview erklären sie, warum Offenheit und Dialogbereitschaft für die neue Aufgabe so wichtig sein werden. 

Was reizt Sie an der Aufgabe – Sie hätten doch auch einfach den Ruhestand genießen können? 
Wolfgang Großmann: Ganz einfach: der soziale Gedanke und die Möglichkeit, anderen Menschen zu helfen. Ich sitze seit 2020 als sachkundiger Bürger im Ausschuss für Arbeit, Soziales, Ehrenamt und Senioren, bin zudem als Stellvertreter im Integrationsbeirat. Es gab also bereits eine inhaltliche Schnittmenge zu der neuen Aufgabe. 

Heinz Steentjes: Das erste Interesse ergab sich bei mir aus meinem beruflichen Werdegang. Ich war 30 Jahre lang Werkstattleiter im Anna-Katharinenstift Karthaus und habe die Werkstätten für behinderte Menschen aufgebaut. Beim Blick auf die Ausschreibung habe ich zunächst noch gezögert. Aber meine Familie hat gesagt: Heinz, das passt zu dir! 

Wie sahen die ersten Schritte aus? Es gibt ja noch keine gewachsenen Strukturen, da die Aufgabe neu geschaffen wurde. 
Heinz Steentjes: Zunächst einmal haben Wolfgang Großmann und ich die Köpfe zusammengesteckt und überlegt, wie wir diese Aufgabe als Duo angehen können. Wir kannten uns vorher nicht. Bereits nach kurzer Zeit lässt sich sagen: Wir werden gut harmonieren, da bin ich sicher. Es ist auch sinnvoll, diese Tätigkeit zu zweit zu machen, denn der Aufwand ist hoch. So kann jeder seine Stärken einbringen. Ich werde mich eher um bauliche Themen und Barrierefreiheit kümmern und Wolfgang wird den sozialen Teil übernehmen. 

Wolfgang Großmann: In der vergangenen Woche gab es ein erstes Treffen mit der Interessenvertretung für Menschen mit Behinderung und chronischen Erkrankungen. Das Gespräch ist sehr positiv verlaufen. Jetzt gilt es, Angebote zu schaffen, damit Menschen uns künftig auch auf verschiedene Art und Weise kontaktieren können. Deshalb bieten wir, beginnend mit dem 17. Mai, eine monatliche Sprechstunde im einsA an (s. Infokasten). Natürlich sind wir beide auch außerhalb der Sprechstunden-Zeiten per Telefon und Mail erreichbar. 

Die Interessenvertretung (IV) für Menschen mit Behinderung haben Sie gerade selbst angesprochen: Wie können Sie sich in ihrer Arbeit ergänzen und unterstützen – oder gibt es hier eine Doppelstruktur?
Heinz Steentjes: Keine Doppelstruktur, sondern vielmehr ein weiterer Schritt, eine Verbesserung. Die IV leistet bereits wichtige Arbeit. Wir möchten Bindeglied zwischen Bürgerinnen und Bürgern, Interessensverbänden, Politik und Verwaltung sein. 

Wolfgang Großmann Gibt es ein Problem, kann man sich an uns als Behindertenbeauftragten wenden und wir können klären, was machbar ist – das ist unsere Aufgabe. Wir werden auch an politischen Ausschüssen teilnehmen: ganz sicher am Bau- und Sozialausschuss, und bei konkreten Anlässen auch an anderen Ausschüssen. 

Heinz Steentjes: Miteinander reden hilft, so viel ist sicher! Wir müssen offen sein für die Anliegen, die an uns herangetragen werden. Verständnis und Ausgewogenheit – darauf wird es ankommen.  

Können Sie konkrete Beispiele für Aufgaben nennen, um die Sie sich künftig kümmern werden?  
Wolfgang Großmann: Das könnte beispielsweise die Hilfe bei Behördengängen sein, die gerade für Menschen mit Behinderung nicht immer einfach sind… 

Heinz Steentjes: … oder auch für mehr Vor- und Rücksicht im alltäglichen Leben zu sensibilisieren. Das quer auf dem Bürgersteig abgestellte Fahrrad stellt für Menschen mit Behinderung eine besondere Gefahr dar. Man sollte vorher daran denken, was derartiges Handeln für jemanden bedeuten kann, der im Rollstuhl sitzt oder blind ist. Das hilft nicht nur Menschen mit Behinderung, sondern der gesamten Gesellschaft. Ein weiteres Beispiel: Steigungen, an denen Rollstuhlfahrer nicht hochkommen, sind in der Regel auch für Eltern mit Kinderwagen nur schwierig zu überwinden. Verbesserungen helfen hier also uns allen!

Sprechstunde und Kontakt:
Als eines der ersten Angebote gibt es ab sofort eine monatliche Sprechstunde: Sie findet jeweils am 3. Mittwoch im Monat in der Zeit von 14 bis 16 Uhr im städt. Beratungsraum im einsA statt. Start ist am 17. Mai. Eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich. 
>>> Wolfgang Großmann, Tel. 0151 14101787
>>> Heinz Steentjes, Tel. 0151/14101780
>>> Telefonnummer im Beratungsraum der Stadt Dülmen im einsA: 02594/12-897
>>> E-Mail-Adresse behindertenbeauftragter(at)duelmen.de   

 

Dieses Foto zeigt Wolfgang Großmann (l.) und Heinz Steentjes.

Wolfgang Großmann (l.) und Heinz Steentjes sind seit Anfang Mai Beauftragte der Stadt Dülmen für die Belange von Menschen mit Behinderung (Foto: Stadt Dülmen / Siemes)

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